Eine Geschichte über Angst und Komplexe

Die Straße ist lang und unbewohnt, ein Ende gibt es nicht.

Niemand wird sie retten.

Sie weiß, ihr Atem wird knapp, ihre Beine schmerzen.

Sie weiß, dass niemand sie schützend in seine Arme schließen wird.

Wirklich niemand.

Warum flieht sie, warum rennt sie fort?

Woher kommt diese Hoffnung, entkommen zu können?

Sie weiß es nicht, umso mehr sie drüber nachdenkt, desto mehr verliert sie die Hoffnung, den Gedanken, dass es vielleicht gut für sie enden könnte.

Sie kommen näher.

Lügen, Komplexe, Depressionen und Schmerzen.

Sie sind direkt hinter ihr, sie fühlt es.

Sie will nicht aufgeben, sie will weiter rennen, entkommen!

Immer wieder redet sie sich ein, es mache einen Sinn zu kämpfen, sie könne gewinnen.

Ich versuche es, aufmunternd hält sie sich das vor.

Ich versuche es, ist es nicht das, was zählt?

Ein winziges Bisschen Hoffnung blüht auf in ihr auf.

Sie kann es schaffen!

Sie kann es –

Alle Hoffnung zerbricht, zerschellt in tausend Scherben und fällt auf den Boden sowie sie zusammenbricht.

Sie kniet auf dem Boden, ihre Hände zittern und ein bitterer Würgereiz rüttelt ihren ganzen Körper gewaltsam durch.

Die ersten Komplexe holen sie ein und die Wut auf sich selbst packt sie.

Idiot!“, murmelt sie sich wütend zu, „Nicht einmal wegrennen kriegst du hin!“

Ihre Augen weiten sich.

Nein, sie darf nicht darauf eingehen, darf nicht den Selbsthass sie überrollen lassen.

Sie steht mühsam auf, der Würgereiz, den sie schon so oft nach dem Essen verspürte, zwingt sie beinahe wieder zurück auf den Boden.

Darf … nicht … drauf … eingehen …“

Sie stolpert weiter.

Ich muss es schaffen.“

Der Schmerz in ihrem Bauch bringt sie dazu, stehen zu bleiben. Sie keucht und stützt ihre Hände ab auf ihren Oberschenkeln.

Mir geht es gut“, lügt sie sich selbst an, „Ich kann es schaffen“, behauptet sie, jedoch glaubt sie nicht mal sich selbst.

Erneut rappelt sie sich auf, sie stolpert zwar einige Male aber schafft es irgendwie trotzdem, sich einige Meter weit zu schleppen, bis sich durch eine Stimme in ihrem Kopf ihr nächster und letzter Verfolger ankündigt.

Lügen haben kurze Beine, so wie du, du lahme Ente!“, durch die Lautstärke der Stimme zuckt sie zusammen, hilflos ihre Hände über dem Kopf zusammenschlagend wenn starke Kopfschmerzen sie überkommen.

Diesmal stolpert sie nicht, sie geht freiwillig auf die Knie und gibt auf, schüchtern aufschauend und ihren Blick auf den Verfolger werfend.

Ihre Depression.

Kalt lächelt die Depression, langsam ihr gegenüber auf die Knie gehend und sie in eine kalte, schmerzvolle Umarmung ziehend.

Ich bin für dich da“, die Depression zieht ein Messer und hält es hinter ihren Rücken, „Außer mir brauchst du keinen anderen.“

Das Mädchen schließt seine Augen und gibt sich dem Schmerz hin.

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