Elise

Elise.

Sie war es, die immer ein Lächeln auf anderer Lippen zauberte.

Sei es mit ihrer liebevollen Art, wie sie alles Gute in der Welt für jeden einzelnen gegeben hätte, oder einfach ihr breites, wunderschönes Lächeln welches so häufig in ihrem Gesicht saß.

Nicht einmal ich könnte erklären, was es an ihr war, was jedem das Herz stahl.

Ich kann nur erklären, wie es dahinter aussah.

Manchmal, nicht sehr häufig, bezeichneten sie Leute als kalt.

Das lag niemals an tatsächlicher Kälte, nein, sie hatte nur immer diese Angewohnheit sich um jeden zu sorgen und wenn man etwas tat, das einem hätte schaden können, wurde sie immer sehr, sehr ruhig.

Sie war schon an sich immer ein sehr ruhiger Mensch, aber in diesen Situationen hat sie immer still da gesessen, zugehört was die betroffene Person zu sagen hatte und währenddessen einfach ihre Hände, welche gewöhnlich in ihrem Schoß lagen, mit ihren großen Augen betrachtet.

Ihre Augen waren blau.

Manchmal blau wie ein Sommerhimmel, manchmal blau wie Eis.

Unabhängig davon, ob ihre Augen einen warmen oder kalten Ton hatten, sie waren schön.

Manchmal wenn sie weinte, schienen sie zu glitzern.

Natürlich, so gut wie jedermanns Augen glitzern wenn jemand weint, jedoch war es immer etwas anderes bei ihr:

Wenn sie weinte, schluchzte sie niemals laut, sie schaute oft einfach nur auf den Boden, während Tränen ihre Wangen herunter kullerten.

Die blaue Farbe schien zu leuchten und jedes Mal wenn Licht auf ihr Gesicht kam, reflektierten ihre Augen das Licht.

Sie machte eine kleine Schmolllippe welche oft zitterte in diesen Momenten.

Noch nie hatte sie irgendwer weinen sehen, nicht weil sie zu stolz war um andere sehen zu lassen, was für einen Schmerz sie so oft in sich trug, sondern weil sie schon immer ein bisschen zu selbstlos war und nie, wirklich nie irgendwen hatte belästigen oder irgendwem die Laune ruinieren wollen.

Wie war sie?

Liebevoll, sie hatte alle Liebe in der Welt zu geben und das tat sie auch wann immer sie konnte.

Sie war die Art Mensch, der Stunden damit verbringt im Regen am Strand entlang zu laufen auf der Suche nach den perfekten Muscheln, nur deswegen, weil du sagst dass du diese Farbe so schön findest.

Sie war die Art Mensch, die dein Wohlwollen über ihr eigenes stellte und bis tief in die Nacht mit dir telefoniert hätte, weil du ein Problem hattest oder einfach reden wolltest. Sie hätte bis in die Morgenstunden mit dir geredet, nicht ein einziges Mal ihre Augen schließend obwohl sie selber unfassbar müde war und sie hätte einfach nur zärtlich gelächelt, wenn du mal wieder eingeschlafen wärst während des Gespräches.

Morgens wärst du aufgewacht dadurch dass sie entweder laut gequietscht oder gesungen hätte, entweder hätte sie gequietscht weil sie mal wieder das Wasser der Dusche unbewusst auf kalt hatte oder weil sie mal wieder laut gesungen und getanzt hätte, bis sie gestolpert wäre.

Aber wenn man dann nachguckte fand man sie immer lachend vor.

Jetzt bin ich wenigstens wach“, sagte sie dann oft. Oder: „Hey, wer mag denn schon nicht einen Schlumpfpopo?“

Elise.

Sie war warm.

Nicht nur in ihrer Art, auf irgendeine Weise schaffte sie es auch, immer anderen Wärme zu geben.

Wenn du mit ihr draußen standest und deine Hände riebst, welche schon taub von Kälte waren zögerte sie nie, dir ihre eigenen Handschuhe zu geben obwohl sie selber ihre Hände kaum spürte.

Sie hatte kein Problem damit zu geben, was sie selber so dringend gebraucht hätte.

Manchmal, wenn du mit ihr draußen gewesen wärest im Sommer und ihr eine Flasche mit einem Schluck übrig gehabt hättet, sie hätte dir immer diesen Schluck gewährt.

Sie war etwas anderes.

Ja.. sie war etwas anderes..“

Der Mann reibt seine Augen, in welchen ein paar Tränen zu sehen sind.

Meine Elise…“, er betrachtet das Bild, dass ihn und seine verstorbene Frau zeigt, seine Enkel sitzen um ihn herum in einem Halbkreis, allesamt still.

Das war eure Großmutter“, er wischt ein paar kleine Tränen weg, „Elise..“

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